Hundetrainer Prüfung Praxis - So läuft es per Videocall
Die Praxis-Prüfung wird von den Veterinärämtern unterschiedlich durchgeführt. Oft besteht die Prüfung daraus, dass du einen Kunden zu einem bestimmten Thema anleiten musst. Das Thema wird teilweise ausgelost oder du bekommst das Thema von den Prüfern vorgegeben.
Zum Thema Hundetrainerprüfung gibt es bereits einen weiteren Beitrag. Schau ihn dir gleich im Anschluss an.
Immer mehr im Kommen sind Prüfungen als Video-Call. Die sind ursprünglich während der Corona-Zeit entstanden, als persönliche Treffen nicht oder nur eingeschränkt möglich waren.
Diese Prüfung per Video (meist ein Zoom-Call) dauert etwa 3 ½ Stunden und besteht aus drei Teilen:
- Videoanalysen
- Fachgespräch
- Trainingsplan erstellen und anleiten
Das erkläre ich dir in diesem Beitrag.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
In dieser Prüfung per Zoom-Call nimmt die Prüferin teil, die das Ganze organisiert und leitet sowie der zuständige Mensch deines Veterinäramtes.
Du bekommst einen Termin genannt und einen Link dazu, wo du dich später einloggen musst. Im besten Fall wird dir gesagt oder geschrieben, wie die Prüfung ablaufen wird und wie du dich darauf vorbereiten kannst.
Zur Vorbereitung empfehlen die Veterinärämter insbesondere das „Handbuch für Hundetrainer*“ von Celina del Amo sowie eine DVD „Das Kleingedruckte in der Körpersprache des Hundes*“ von Dr. Ute Berthold-Blaschke.
Unsere Trainer meinten, dass beides sehr bei der Vorbereitung zur Prüfung geholfen hätte. Falls dich das interessiert, die Links dazu findest du in der Beschreibung.
Der Prüfungsablauf
Du loggst dich in den Zoom-Call ein. Mit dabei ist die Prüfungsleiterin und die zuständige Dame vom Veterinäramt. Ok, manchmal sind es Männer, aber die Prüfungen sind fast ausschließlich in Frauenhand.
Zu Beginn der Prüfung wird dir der Ablauf erklärt. Die Prüfung besteht aus drei Teilen, wie ich vorhin schon gesagt habe. Zwischen den Teilen ist jeweils eine Pause von 15-20 Minuten.
In dieser Pause wirst du in den virtuellen Warteraum geschickt. So hast du zwischendrin auch etwas Pause zum Verschnaufen, etwas zu trinken oder was auch immer.
In dieser Zeit besprechen sich die Prüferin und dein zuständiger Veterinär über das, was abgefragt wurde. Oder trinken einen Kaffee.
Teil 1 Videoanalyse
Der erste Teil der Prüfung sind Videoanalysen. Es werden dir mehrere Videos gezeigt. Bei unseren Trainern waren es je drei Videosequenzen. Vermutlich gibt es einen Pool von sehr vielen Videos, aus denen sich bei der Prüfung bedient wird.
Die Aufgabestellung ist, die Videos dreimal anzuschauen. Während der Videos sollst du erzählen, was du siehst und was dir auffällt. Wenn du selbst nichts sagst, wirst du von der Prüferin gefragt.
Ich empfehle dir, nicht erst darauf zu warten, dass du etwas gefragt wirst. Wenn du dir bei deiner Videoanalyse sicher bist, dann gebe direkt deine Einschätzung ab. Wenn du aber eher unsicher bist, dann warte besser die Fragen ab.
Was du in jedem Fall beschreiben kannst, ist, was du siehst. Also beispielsweise welche Rasse, was tut der Hund oder vielleicht der Mensch, wie verhält sich der Hund (unsicher, ängstlich, aggressiv, drohend) etc.
Die Prüferin stellt dir gezielte Fragen dazu. Wenn du etwas nicht weißt, dann fragt die Prüferin dich das später oft nochmal im Fachgespräch.
Vermutlich gibt es einen Katalog mit Fragen, die abgearbeitet werden, damit sie eine halbwegs standardisierte Prüfung haben.
Drei Beispiele, welche Videosequenzen bei unseren Hundetrainern zu analysieren waren:
Beispiel 1:
Zwei Hunde begegnen sich und du sollst beschreiben, was du siehst. Zum Beispiel Drohverhalten. Hier musst du erklären, woran du das Drohverhalten erkennst. Zum Beispiel an nach vorne gestellten Ohren, steifer Körperhaltung oder ein gesträubtes Fell. Hier war die Nachfrage, wie der Fachbegriff für Fellsträuben lautet (der lautet Piloerektion).
Unser Trainer wusste das nicht, bestanden hat er aber trotzdem.
Beispiel 2:
Mehrere Junghunde spielen miteinander. Es wurde gefragt, ob man dieses Spiel unterbrechen würde. Falls ja, dann soll man sagen, wann man eingreifen würde und aus welchem Grund.
Es kann auch vorkommen, dass ein Video gestoppt wird und du dann mutmaßen musst, wie die Szene vermutlich weitergeht.
Beispiel 3:
Im Video sieht man einen Cavalier King Charles Spaniel. Der mag es offensichtlich gar nicht, wenn er angefasst wird. Die Aufgabe war zu beschreiben, woran man das erkennen kann.
Eine weitere Frage war, warum der Hund beim Anfassen möglicherweise mit Drohung reagiert.
In diesem Fall sollte die Antwort lauten, dass Cavalier King Charles Spaniels wegen des zu kleinen Schädels häufig unter chronischen Kopfschmerzen und Nervenschmerzen leiden. Deswegen kommt es unter anderem zu Überempfindlichkeit am Kopf oder Nacken und zu Berührungsängsten. Und daher die Drohung.
Nach diesem Teil gibt es die erste Pause. Danach geht‘s weiter mit dem Fachgespräch.
Teil 2 Fachgespräch
Im Fachgespräch ist Lernverhalten ein sehr großes Thema. Unsere Hundetrainer berichteten, dass dieses Thema rund 80 % ausmacht. Hier gehen die Prüfer wirklich in die Tiefe.
Das Thema Verstärker und Strafen wird sehr detailliert abgefragt. Die Prüfer wollen wissen, wie Strafen und Verstärker wirken, was sie jeweils an Gefühlen beim Hund auslösen und vieles mehr. Das solltest du unbedingt in- und auswendig können.
Aufbauend auf den Teil 1, den Videosequenzen, können hier weitere Fragen gestellt werden, die noch tiefer rein ins Thema gehen. Die Prüfer legen Wert darauf, dass du die Fachbegriffe kennst.
Es ist kein Drama, wenn du nicht alle Fachbegriffe nennen kannst. Aber du solltest sie insbesondere beim Thema Lernverhalten drauf haben und im Schlaf können.
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Der dritte Prüfungsteil simuliert ein Einzeltraining zu einem bestimmten Thema. Dafür musst du zunächst einen Trainingsplan erstellen.
Teil 3 Trainingsplan erstellen
Die Prüfer nennen dir ein Thema, das du in etwa 30 Minuten anleiten sollst. Meist geht es darum, dass ein fiktiver Kunde seinem Hund ein bestimmtes Verhalten beibringen soll.
Beispiele:
- Hund soll sich auf die Seite legen
- Hund soll nach links oben schauen
- Hund soll in die Position Down gehen
Dir wird dein Thema genannt und du hast 15-20 Minuten Zeit, einen Trainingsplan dafür zu erstellen. Das eigentliche Training sollte auf etwa 30 Minuten ausgelegt sein.
Unsere Trainer haben erzählt, dass man vorab informiert wird, was dieser Trainingsplan enthalten muss.
Dieses Anleiten findet natürlich ebenfalls per Video statt. Die Prüferin spielt dabei die Kundin mit ihrem eigenen Hund. Die Kamera ist auf sie und ihren Hund gerichtet und du leitest sie an.
Die Prüferin spielt ihre Rolle wohl sehr gut und stellt sich „dumm“. Hier bist du als Trainer gefragt, deine Anleitungen so präzise wie möglich zu geben. Aber zurück zum Trainingsplan.
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Trainingsplan Aufbau und Inhalte
1. Ziel des Trainings
Hier soll die Übung bzw. das Ergebnis genau beschrieben werden, also wie das Ganze am Ende aussehen soll.
Am Beispiel der Übung Down könnte bei Ziel stehen, dass der Mensch nach der Trainingseinheit in der Lage sein soll, seinen Hund mit einem Signalwort (z.B. Down) in diese Position zu schicken, so dass der Hund auf dem Bauch und sein Kopf auf dem Boden zwischen den Vorderpfoten liegt.
Der Hund soll die Position für beispielsweise mindestens 5 Sekunden halten bzw. so lange, bis der Mensch das Auflösekommando gibt.
2. Voraussetzungen bei Mensch und Hund
Was sollte der Hund bereits können, um die Übung umzusetzen. Im Fall der Übung Down wäre die ideale Voraussetzung, dass der Hund das Kommando Platz kennt. Wenn er das nicht kann, würde es schwierig werden, die Übung in einer halben Stunde umzusetzen.
Hier wäre auch wichtig das du vorab klärst, ob beim Menschen oder beim Hund gesundheitliche oder körperliche Einschränkungen bestehen.
Wenn ein Hund Arthrose oder Spondylose hat, kann oder sollte er manche Übungen nicht machen. Hat ein Mensch Rücken- oder Knieprobleme, könnten für ihn manche Übungen schwierig oder nicht durchführbar sein, wenn er sich beispielsweise bücken oder in die Knie gehen muss.
Einer unserer Trainer punktete hier extra, weil er das auch von der Prüferin, also vom Menschen abgefragt hatte.
Um die Voraussetzungen zu klären, brauchst du eine Anamnese. Wie ausführlich sie sein soll, konnte mir keiner unserer Trainer klar beantworten. Das möchte vielleicht jeder Prüfer anders haben. Ich würde deshalb einfach vorab die Prüfer fragen, ob du eine ausführliche Anamnese machen sollst.
3. Einzelne Trainingsschritte
Womit wird begonnen, was sind die Teilschritte, in welcher Reihenfolge sollen die Schritte ablaufen?
Hier solltest du die einzelnen Schritte genau beschreiben. Achte darauf, dass dein Trainingsplan kleinschrittig ist.
4. Signalwörter und Gesten
Für das Kommando oder die Kommandos sollst du dir ein Wort überlegen und eine passende Geste dazu.
Wenn ein Hund sich um seine eigene Achse drehen soll, könnte das Kommando Dreh dich heißen und eine Geste wäre, mit dem Finger einen Kreis zu beschreiben.
5. Verstärker
Welche Verstärker willst du einsetzen? Futter, Spiel oder etwas anders? Hier solltest du vorab abfragen, welche Verstärker bei diesem Hund gut funktionieren.
Wie du weißt, können auch negative Verstärker gut funktionieren.
Was du nicht einsetzen solltest, sind Strafen. Insbesondere positive Strafen solltest du unbedingt vermeiden. Die werden nämlich überhaupt nicht gern gesehen,
6. Lerntheoretische Grundlagen
Schreib in deinen Trainingsplan, welche lerntheoretische Grundlagen die Basis deines Trainings sind. Notiere dir unbedingt die Fachbegriffe dazu.
Beim Beispiel des Kommandos Down könnten folgende Lerntheorien zum Einsatz kommen:
- Operante Konditionierung
- Locken
- Shaping
- Generalisierung
Diese Begriffe solltest du gut erklären können.
7. Hilfsmittel
Nun legst du fest, welche Hilfsmittel zum Einsatz kommen sollen.
Hilfsmittel beim Kommando Down könnten sein:
- Futter
- Decke als Unterlage
- Markerwort oder Clicker
- Kissen als Target
Du solltest erklären können, welchen Sinn diese Hilfsmittel haben und welche Alternativen es dafür gibt.
Je nach Kommando können andere Hilfsmittel relevant sein, zum Beispiel Leine, Futterbeutel, Spielzeug, Pfeife etc.
Was auch wichtig ist, ist dass du einen Plan B auf dem Schirm hast, falls Plan A nicht so funktioniert, wie du dir das vorstellst. Es könnte ebenfalls gefragt werden, welche Alternativen es für dieses Training gibt.
Nach deiner 30-minütigen Anleitung wirst du gefragt, warum du was wie und warum gemacht hast. Auch hier kitzelt die Prüferin gerne Fachbegriffe aus dir heraus.
In diesem Artikel stelle ich einige Bücher vor, die dir bei deiner Vorbereitung zur Hundetrainer-Prüfung helfen.
Abschluss der Prüfung
Nach diesem letzten Teil wirst du nochmal einige Minuten in die Pause geschickt und die Prüfer und Prüferinnen besprechen sich. Anschließend wird dir gesagt, ob du die Prüfung bestanden hast oder nicht.
Bei den Trainern, die durchgefallen sind, wurde auch gesagt, woran es gelegen hat. Ich kenne einige, die die Prüfung wiederholt haben und dann beim zweiten Mal bestanden haben.
Wenn du die Prüfung bestanden hast, bekommst du natürlich einen schriftlichen Bescheid. Das kann aber ein paar Wochen dauern.
Nun weißt du, wie die Praxisprüfung per Video abläuft, was auf dich zukommt und wie du dich darauf vorbereiten kannst.
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